14 March 2011

"Who the fuck is Ismael Ivo?"

Das war sicherlich nicht die Antwort, die ich von meinem Tanzlehrer heute Abend hörte, wie ich den Namen des großen Meisters erwähnte. Sondern dass er sein Assistent gewesen ist mal in den 90er Jahren in Wien... Klein ist die Welt, und auch klein die Stadt. Heute Abend in dem Kurs begleitete uns der selbe Musiker, der vorgestern in P.A.R.T.S. die contemporary class begleitete... Echt klein.

Heute habe ich meine allererste Stunde absolviert, in der Tanzschule, die ich mir aus einer mittleren Auswahl mal ausgesucht habe. Damals vor zwei Sommern, bei meiner allerersten Begegnung mit contemporary, noch ganz grün hinter den Ohren, kamen mir die Bewegungen diesmal gar nicht so fremd vor.

Es ist nicht so riesig unser Übungsraum wie im Arsenal, aber doch sehr groß. Tanzen lernen habe ich auch ein bisschen wegen diesen Räumlichkeiten gern. Dann sind es die wunderbaren Körper der Lehrer, die einfach unglaublich schön zum Anschauen sind - eine Augenweide zudem, wie sie sich bewegen. Und ihre Instruktionen - Französisch scheint hier sich nicht ganz durchgesetzt zu haben, es wird auf Englisch befohlen: Step! Step! Fall!

13 March 2011

the lonesome cowboy

Kennt ihr die Schlümpfe? Und den Lucky Luke? Tintin? Sicherlich. Ich auch. Zwar unter anderen Namen, wie Şirinler oder Red Kit, aber ich habe ihren Abenteuern als Kind und auch in späteren Jahren sehr genau gefolgt. Die ersten im Fernsehen, Red Kit und Tintin gedruckt, in Faszikeln, die mein Vater wöchentlich nach Hause zu tragen pflegte - und das nicht nur für uns.

Gut, wir kennen sie alle also, und ja, der Punkt ist, sie sind alle belgische Erfindungen. Tintin, schön und gut, aber zu erfahren, dass Lucky Luke nicht von einem Amerikaner stammt... Morris klingt ja nicht gerade belgisch! Das alles und viel mehr lernte ich heute beim lange vorgenommenen und endlich vollbrachten Durchgang durch Centre Belge de la Bande Dessinée.

Ganz nebenbei ist dieses Zentrum in einem weiteren "Horta-Haus" untergebracht, wo ursprünglich Textilgroßhandel stattgefunden haben soll - wie immer ein wunderbares Jugendstilexemplar. In der dazugehörigen Brasserie habe ich mir dann ein De Koninck genehmigt, leicht aber nicht blonde sondern ambrée - sehr sehr angenehm im Abgang.

12 March 2011

ports ouverts

Rosas tanzt Rosas, hatte ich mir vorletzten Sommer schon in Wien gegeben gehabt, und heute war es soweit, dass ich die Tanzstätte in Brüssel selber besuchen konnte, und nicht nur das. P.A.R.T.S. - die Schule von der Kompanie Rosas - hatte heute Tag der offenen Tür und ich habe mir diese Führung nicht entgehen lassen.

Mir ist das in Wien irgendwie schon aufgefallen, die belgische Omnipräsenz in den Tanzwochen, und wie ich dann bei einer beruflichen Aufenthalt hier vorigen Winter einfach so den Direktor von den besagten Wochen in meinem Hotel traf, wurde mir noch klarer: da läuft das Geschäft!

Anne Teresa de Keersmaeker war in der Schule heute zwar nicht persönlich anwesend, dafür konnte man allerdings mit Lehrern in Berührung kommen, die mit ihr, und aber auch mit Pina Bausch höchstpersönlich gearbeitet haben - u.a. bei Kontakthof, über deren Reproduktion mit Jugendlichen es eine herrliche Doku gibt, die ich mit Suna im tiefsten Winter in flagey gesehen und bewundert hatte.

Ich glaube, heuer werde ich nicht bis zum Sommer warten, und mich schon zu meinem baldigen Geburtstag mit einem Tanzkurs beschenken. Bleiben Sie dran!



11 March 2011

évasion

...und schon wieder ein Freitag, und schon wieder eine Vernissage in the neighbourhood. Diesmal muss ich gar nicht einmal die fünf Schritte gehen, die letztes Mal nötig waren. Das Ganze findet nämlich unten bei mir in der Buchhandlung statt. Diese ist die kleinere Filiale vom Haupthaus ein paar Häuser weiter oben: évasions und einer der Gründe wieso ich überhaupt hier wohne.

Diese eine Filiale hat eine Verkäuferin ca. in  meinem Alter, eine bruxelloise, - wir grüßen uns immer und ich träume manchmal davon, sie zu sein. Wir wechseln hin und wieder auch ein paar Worte  - sowie auch gestern. Und nicht nur mit ihr - eine längere Konversation mit einem Kunstprofessor war gestern auch drin, die ich hauptsächlich deswegen führte, um mich meiner Französischkenntnisse zu vergewissern. Auf ein Essen danach mit ihm- soweit wollte ich mich dann doch nicht herauslehnen. Auf mich wartete eine weitere Übung im Fernsehen oben, und mein Stella Artois aus der Dose und meine Chips.

Nicht ohne meine Bibliothek um zwei zweisprachige Bücher erweitert zu haben, verabschiedete ich mich. Die Ausstellung selber war diesmal nicht im Mittelpunkt des Geschehens, ich muss in einer ruhigeren Minute wieder mal reingehen.

10 March 2011

anima 2011


Es ist vielleicht ganz zufällig, aber in diesen Tagen, wo gerade in Wien Tricky Women läuft, nimmt hier in der quasi Hauptstadt der Animation das ZeichentrickFilmFestival anima seinen 30. Anlauf. Ich vermisse natürlich den Frauenschwerpunkt (vielleicht müsste ich hier die Karte besser studieren), und vor allem den Teat Beat, allerdings schaute ich mir hier doch eine gar nicht so schlechte belgische compilation in flagey an.

Und auch hier heißt belgisch, dass in dieser mélange KünstlerInnen mit diversesten Hintergründen vertreten sind - angefangen von der Türkei bis Kinshasa. C'est vraiment du belge!

09 March 2011

Maes

"La Maes est dorée, fruitée, d’une saveur pure et légère, avec une agréable petite touche d’amertume."

So beschreibt die Internet-Enzyklopädie dieses Bier und ich könnte es nicht besser ausdrücken. Und wegen all diesen Eigenschaften ist es, dass ich mir genau dieses Bier auf dem Weg nach Hause in einem der nightshops besorge, wenn ich weiß, dass ich den Abend zu Hause anfangen und genau da abschließen werde. Ohne dazwischen den Fuß rauszusetzen.

Es ist leicht, und gewöhnlich an Geschmack, nicht herausfordernd, nicht erregend, weder den Geist noch die Sinne, sondern entspannend, höchstens leicht anregend. Passt zu allem dazu: zu den abgeholten frites von nebenan, zu dem selbstgekochten Pasta, zum Fernsehen, zu einer Zigarette oder zwei, auf jeden Fall zum Alleinsein. Manche werden mich dafür rügen, aber es erinnert mich auch an Efes Pilsen ein bisschen...

Es gibt einen Bus, übrigens, mit der Endstation Maes und ob er zur Brauerei führt, also ob dieses Bier ein bruxelloise ist, das werde ich vielleicht irgendwann selber feststellen müssen. Nicht alles erfährt man von der Couch aus...

08 March 2011

8th of March


Nicht nur, aber auch das Europäische Parlament feiert heute den Frauentag, zumal er heuer den 100. Geburtstag hat. Und gerade in diesem Zusammenhang fällt die Zwanghaftigkeit dieser Feierlichkeiten auf - nirgendswo sonst sind Männer so gut vertreten wie in bürokratischen hieararchischen Organisationen, sowie die europäischen Institutionen welche sind. Nach oben wird die Luft für Frauen immer dünner, und dort wo sie vielleicht nicht mehr anonyme Kräfte wären, sondern sichtbare ja machtvolle, bestimmende, führende Figuren, da verschwinden sie aus der Bildfläche.

Hier im Bild sieht man einen der mehreren Eingänge von dem Parlament, benannt nach Altiero Spinelli, einem Mann. Der prominenteste Platz für die europäische Politik, Place Schuman, ebenso...

Bleibt es dabei? Natürlich nicht... Dazu kommen weitere Ein- und Ausgänge, Strassen, Parks, Museen, und sonstiges - selten benannt nach einer Frau, und wenn, dann ist das ein Gnadensakt, und nicht weil diese Frau so mächtig gewesen ist... Oder so führend... Oder so entscheidend... Und das nicht in Frauenangelegenheiten... Ausnahmen bestätigen die Regel nur, das wissen wir.

Ich glaube, wir brauchen noch einmal ein 100 Jahr bis die Regel anders ausschaut.