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15 March 2011

insolite et secret

Unter dem Titel verspricht dieser Reiseführer, den mir eine Kollegin empfohlen hat, den ich dann zufällig in Librairie de France gefunden habe, die ungewöhnlichen und versteckten Ecken von der Stadt. So darf ich dann in den Mittagspausen, vor allem jetzt, wo die Sonne so strahlt, mit kleinen Spaziergängen ein Stundenhotel in der Nähe vom Parliament entdecken (nur von außen, ausnahmsweise), oder aber ein Atelier von einem 104 Jahre alten Maler inmitten der Neubauten der europäischen Bürokratie besichtigen.

Und wie ich heute beschloss, wieder mal zu Fuss nach Hause zu gehen, durch die Innen-Innenstadt, da durfte ich auf die wirklich schwer nicht zu übersehenden plaque aufmerksam werden, die darauf hinweist, dass an der Stelle die Werkstatt derjenigen Frau stand, die die ersten belgischen Fahnen im Jahre 1830 in August abgefertigt haben soll. Die Originalität der Sache besteht für mich darin, dass es tatsächlich wirklich in kaum einem Reiseführer steht und ich habe einige davon!

11 March 2011

évasion

...und schon wieder ein Freitag, und schon wieder eine Vernissage in the neighbourhood. Diesmal muss ich gar nicht einmal die fünf Schritte gehen, die letztes Mal nötig waren. Das Ganze findet nämlich unten bei mir in der Buchhandlung statt. Diese ist die kleinere Filiale vom Haupthaus ein paar Häuser weiter oben: évasions und einer der Gründe wieso ich überhaupt hier wohne.

Diese eine Filiale hat eine Verkäuferin ca. in  meinem Alter, eine bruxelloise, - wir grüßen uns immer und ich träume manchmal davon, sie zu sein. Wir wechseln hin und wieder auch ein paar Worte  - sowie auch gestern. Und nicht nur mit ihr - eine längere Konversation mit einem Kunstprofessor war gestern auch drin, die ich hauptsächlich deswegen führte, um mich meiner Französischkenntnisse zu vergewissern. Auf ein Essen danach mit ihm- soweit wollte ich mich dann doch nicht herauslehnen. Auf mich wartete eine weitere Übung im Fernsehen oben, und mein Stella Artois aus der Dose und meine Chips.

Nicht ohne meine Bibliothek um zwei zweisprachige Bücher erweitert zu haben, verabschiedete ich mich. Die Ausstellung selber war diesmal nicht im Mittelpunkt des Geschehens, ich muss in einer ruhigeren Minute wieder mal reingehen.

13 February 2011

sonntags nach süden

Wie erwähnt, als Gewohnheitstier, kehre ich auch sonntags immer wieder an die selben Orte zurück. Diesmal mache ich mich auf den Weg Richtung Süden.

Dazu kommt, dass ich aus meinen Wiener Zeiten ein bisschen geschädigt bin, was die Sonntage anbelangt, wo an diesem Tag der Woche die ganze Stadt auszusterben oder ans Land auszuwandern scheint. Umso mehr reizt mich die Lebendigkeit des Gare du Midi, mit ihrem Markt, mit ihren Salons de Thé und das alles von mir nicht einmal 10 Minuten zu Fuss entfernt.

Überhaupt gehören Märkte und Sonntage in den Köpfen der Menschen hier zusammen, genauso wie in Paris. Und ich muss sagen, ich bin überhaupt von jedem Geschäft, das sonntags offen hat, ein bisschen fasziniert: meine Buchhandlung unterhalb, überhaupt im selben Haus wie ich also, ist ebenso einladend -, die nach all den Lebensmitteleinkäufen, ebenso ein zusätzliches Futter für den Geist und die Seele liefert. Die Seele, die spätestens Sonntag Abends zur Einsamkeit und der verschobenen Montagsdepression verdammt ist. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

12 February 2011

samstags nach norden

Ich bin ein Gewohnheitstier, zumindest das was meine Erholungs- und Ausgehrituale anbelangt. Kaum entdecke ich einen Ort, der mir gefällt, wo ich mich wohlfühle und der - das ist Bedingung für das Wohlfühlgefühl - sich in meiner nächsten Wohngegend befindet, kehre ich immer wieder zurück dahin. Das kann in meiner Geburtsstadt (=Istanbul) sein, oder in einer Stadt, wo ich mich Jahr für Jahr immer nur für eine Woche aufhalte (=Berlin).
Samstags bewege ich mich Richtung Norden, Richtung Börse, und von dort Richtung Westen, direttissimo auf Rue Antoine Dansaert. Da befinden sich nicht nur Le Pain Quotidien, sondern auch einige boutiques, die sich hier zu agglomerieren scheinen, sondern auch passa porta (siehe auch da die Sonntagsöffnungszeiten!), wo ich mich (nach Nahrung für den Leib) mit Nahrung für den Geist versorge. Sei es mit der sich fast wöchentlich wechselnden Ausstellung im Eingangsbereich, sei es aber auch mit den vielsprachigen Büchern.

Wohin diese Straße allerdings wirklich hinführt, das ist Place St. Catherine, unterwegs mit Cafe de Markten, ebenfalls wie passa porta mit einem eher flämischen kulturellen Zentrum rundherum - Place St. Catherine, die eins der Hauptbezugsquellen für Meeresfrüchte jeglicher Sorte ist. Meine Lieblingsecke, wo ich meine Samstagsausgänge abschließe, ist Noordzee. Das ist Meeresfrüchte vom unübertrefflichen Preis-Leistungsverhältnis. Das ist freundliches, charmantes und persönliches Service. Das ist streetfood vom Feinsten. Das sind Austern, das sind Jakobsmuscheln, das ist Fischsuppe. Das ist ein Glas Weißwein. Eine Zigarette zum Abschluss, und ab nach Hause!