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04 August 2011

carbonade flamande

Auf Deutsch klingt Karbonade nicht gerade appetiterregend, aber wenn die Belgier davon sprechen - und das tun sie nicht selten - meinen sie hauptsächlich  etwas zwischen Gulasch und das Geschnetzelte. Was unbedingt hineingehört, ist allerdings Bier. Und am besten schmeckt es natürlich mit den frites.

Das Exemplar, das ich heute mit Betil, meiner Schulfreundin aus Istanbul, kostete, wurde mir in l'arriere pays serviert - auf der schönen Rue des Minimes, wenn man bei Marcolini und chez Richard am Place du Grand Sablon reingeht. Auf dieser Strasse befindet sich im Übrigen das Jüdische Museum, wo ich während eines meiner früheren Aufenthalte eine Robert Capa-Ausstellung besuchte.

Im wunderschönen Gastgarten auf einem winzigen Platz bei gerade richtigem Wetter - weder kalt noch heiss, haben wir mal einiges an update nachgeholt und uns weiter eine Nachspeise aus dem besagten Laden gegönnt. Und einen expresso gegenüber.

17 July 2011

Ask the cat!

Entgegen meiner Gewohnheiten und trotz des Umstandes, dass ich in den nächsten vier Wochenenden nicht mehr die Gelegenheit haben werde, dort vorbeizuschauen, verzichtete ich diesen Sonntag auf Marché du Midi und auf die tollen crêpes. Stattdessen entschied ich mich für St. Gilles - die Nachbargemeinde Ixelles'.

Schon mal besuchte ich da, wie Christoph auf Besuch war, das Haus Horta und diesmal war wieder ein Haus aus der Jahrhundertwende an der Reihe: Haus Hannon. Mit wechselnden, vor allem übersichtlichen, Photoausstellungen, weil der ursprüngliche Herr des Hauses  ebenso eine Schwäche (wie auch Talent) für diese Kunst hatte, ist dieses Jugendstiljuwel eine wahre Entdeckung.

Liegt übrigens in Gehweite sowohl zu Bar du Matin als auch zum berühmt berüchtigten Moeder Lambic - beide Lokale, die ich ebenfalls zum ersten Mal besucht habe. War schliesslich auf ein bisschen einer Entdeckungstour für den nächsten Besuch von Christoph. Zwischen diesen zwei Bars liegt ganz nebenbei auch  ein Gefängniskomplex und ein beeindruckendes Amtshaus - ein Magistrat grösser als jedes Rathaus. Diese haben aber nichts mit meinen Plänen zu tun.

17 April 2011

bois de la cambre

Wir bleiben im grünen Bereich. Nachdem mich der Park vielzusehr an Arbeit erinnert und bei aller Bescheidenheit auch viel zu klein ist, suchte ich auf Google Maps nach weiteren grünen Flecken auf der Karte. Und wurde am Ende von Avenue Loise,   d i e   Einkaufsmeile von Brüssel, dazu später, fündig. Es ist zwar mühsam nach einer Laufstrecke von 10 Minuten bis zum Sablon auf die Strassenbahn zu warten, um hinzugelangen, aber es zahlte sich aus.

Um mich beim Laufen nicht zu verirren, machte ich mir immer wieder Photos von den Wegschildern, und dennoch passierte das Unausweichliche... Orientierung und ich sind keine guten Freundinnen. Man kommt sich da immer wieder vor wie in einem Wald, dann macht sich doch ein Park auf, mit picknickenden Pärchen und Gruppen, dann ein See, im See eine Insel, auf der Insel ein Chalet.

Der Name La Cambre soll vom nicht weitliegenden Kloster hergeleitet sein. Ein Kloster, das heute u.a. ein sehr angesehenes Institut für bildende Künste beherbergen soll. Das Ganze geht dann in einen richtigen Wald über, Forêt de Soignes, den ich aber ein anderes Mal entdecken wollte und nicht bei Einbruch der Dunkelheit an einem Sonntagabend. Nein.

11 March 2011

évasion

...und schon wieder ein Freitag, und schon wieder eine Vernissage in the neighbourhood. Diesmal muss ich gar nicht einmal die fünf Schritte gehen, die letztes Mal nötig waren. Das Ganze findet nämlich unten bei mir in der Buchhandlung statt. Diese ist die kleinere Filiale vom Haupthaus ein paar Häuser weiter oben: évasions und einer der Gründe wieso ich überhaupt hier wohne.

Diese eine Filiale hat eine Verkäuferin ca. in  meinem Alter, eine bruxelloise, - wir grüßen uns immer und ich träume manchmal davon, sie zu sein. Wir wechseln hin und wieder auch ein paar Worte  - sowie auch gestern. Und nicht nur mit ihr - eine längere Konversation mit einem Kunstprofessor war gestern auch drin, die ich hauptsächlich deswegen führte, um mich meiner Französischkenntnisse zu vergewissern. Auf ein Essen danach mit ihm- soweit wollte ich mich dann doch nicht herauslehnen. Auf mich wartete eine weitere Übung im Fernsehen oben, und mein Stella Artois aus der Dose und meine Chips.

Nicht ohne meine Bibliothek um zwei zweisprachige Bücher erweitert zu haben, verabschiedete ich mich. Die Ausstellung selber war diesmal nicht im Mittelpunkt des Geschehens, ich muss in einer ruhigeren Minute wieder mal reingehen.

04 March 2011

ligne de temps

Freitag Abends bin ich gewöhnlich für sehr wenig zu haben, wenn überhaupt. Dennoch reizte mich Espace Magh in meiner unmittelbaren Nachbarschaft schon eine Weile... Und wie ich gestern sah, dass es eine Vernissage für 18:30 am Programm war, dachte ich mir, das ist die Gelegenheit.

Nach der Arbeit, und nachdem der Abfall vor die Haustür gestellt worden war (ja sie holen's dann ab am Abend, auch Dienstags das selbe Theater), ging ich die paar notwendigen Schritte und schon machte sich eine andere Welt auf. Ich meine damit gar nicht den maghrebanischen Raum, der sich mir erschloss, nein, der Ausstellungsraum, die Bilder hätten genauso in New York oder in Wien stehen bzw. von einer deutschen oder australischen Künstlerin gemalt worden sein. Es war die Begegnung mit der bildenden Kunst, die mir wieder mal gut tat.

Dabei wohne ich gegenüber Académie Royale des Beaux-Arts de Bruxelles, auf den ich vor allem aus der Dachterasse einen schönen Blick habe. Und genau da hat Amina Rezki auch studiert, die Gastgeberin der gestrigen Vernissage, Malerin des Bildnisses anbei "ligne rouge".