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24 August 2011

rue du midi

Rue du Midi war mir schon bei meinem ersten Brüssel-Aufenthalt aufgefallen. Egal wo ich hinwollte, im Zentrum der Stadt, landete ich auf dieser Strasse. Ich erkannte sie an der Buchhandlung mit den tollen Bildbändern in der Vitrine (Bibliopolis - von dem es mehrere gibt übrigens) und Zufälle wollten es dass ich direkt oberhalb von einem ähnlichen Buchgeschäft  auf dieser Strasse meine Wohnung fand. 

Rue du Midi fängt bei der Börse an und geht bis zu Place Rouppe, wo sie dann zu Avenue de Stalingrad wird und uns bis Gare du Midi und seiner Umgebung führt. Auf der anderen Seite der Börse wird sie Rue Neuve und zu einer Einkaufsstrasse wie eine Mischung aus Mariahilfer und Kärntner - diese wiederum führt bis zu Rogier, benannt auch Manhattan von Bruxelles mit seinen paar Hochhäusern, u.a. mit dem EGB- und IGB-Gebäude. Also, wenn Sie so wollen, verbindet Rue du Midi im weiteren Sinne New York mit Marokko, ja!

Im engeren Sinne befindet sich hier alles was das Herz begehrt. Zum Essen eine grosse Auswahl (vom in Brüssel gar nicht so präsenten Türken über die nach dem Ausgehen ziemlich beliebteste Frittenbude bei der Börse bis zum Thailänder Le Lotus Bleu - im Bild -, wo ich gerade eine schöne Portion dim sum bezog), zum Anziehen über Vintage bis zu Le Petits Riens aber auch wassalon, fromagerie, Zubehör für gleichgeschlechtliche Liebe, und, und, und...

Ja, eine Seitenstrasse öffnet sich zum Schwulenviertel, eine andere über Manneken Pis zum Grand Place, eine andere wiederum zu Marolles...

My point being: Alle Wege führen nach Süden und der Süden wiederum macht so viele neue Welten auf. Es ist herrlich!

04 August 2011

carbonade flamande

Auf Deutsch klingt Karbonade nicht gerade appetiterregend, aber wenn die Belgier davon sprechen - und das tun sie nicht selten - meinen sie hauptsächlich  etwas zwischen Gulasch und das Geschnetzelte. Was unbedingt hineingehört, ist allerdings Bier. Und am besten schmeckt es natürlich mit den frites.

Das Exemplar, das ich heute mit Betil, meiner Schulfreundin aus Istanbul, kostete, wurde mir in l'arriere pays serviert - auf der schönen Rue des Minimes, wenn man bei Marcolini und chez Richard am Place du Grand Sablon reingeht. Auf dieser Strasse befindet sich im Übrigen das Jüdische Museum, wo ich während eines meiner früheren Aufenthalte eine Robert Capa-Ausstellung besuchte.

Im wunderschönen Gastgarten auf einem winzigen Platz bei gerade richtigem Wetter - weder kalt noch heiss, haben wir mal einiges an update nachgeholt und uns weiter eine Nachspeise aus dem besagten Laden gegönnt. Und einen expresso gegenüber.

01 August 2011

st. boniface

Place St. Boniface ist in Ixelles sehr prominent. Am Anfang hauptsächlich, weil das vielempfohlene Lokal - nicht ganz zu Unrecht - da liegt. Auch Café Belgo/Belge ist hier, obwohl - wieder nicht ganz zu Unrecht - weniger empfohlen. Trotzdem kam ich auf diesen Platz, genauso wie nicht auf Mont des Arts - nicht gleich bei meinem ersten Brüssel-Aufenthalt drauf. Sondern viel später, bei der Wohnungssuche im Oktober 2010.
Dann wundert man sich natürlich, wie man so einen Platz mit der den Platz dominierenden gleichnamigen Kirche übersehen haben kann, aber es ist wie es ist, und ich nehme an, es gibt weiteres Prominente, von dem ich noch nicht einmal weiss.

Es ist vor allem nach der Arbeit sehr entspannend. Sowie heute mit Christoph.
Aber immer wieder auch mit einer Freundin oder Kollegin.

30 July 2011

jacques brel


Er ist einer der berühmtesten belgischen chansonniers, auch wenn man ihn anderorts als Franzosen kennt. Und er ist nicht einmal Wallone, sondern mit einem Elternteil ein Flame.

Um auf das alles und viel mehr (dass er zum Beispiel aus einem Wettbewerb in Knokke als vorletzter rauskam, oder aber dass er als erste Bühne in Brüssel in Ancienne Belgique auftratt) zu seinem Bezug zu Belgien - und nicht auf weitere Infos zu seinem Leben - aufmerksam zu machen, gibt es in Brüssel, an einem kleinen versteckten Place de la Vieille Halle aux Blés im Herzen der Stadt eine Stiftung zu seinem Namen. Man kann sich aussuchen: entweder mit einem Audio-Guide die engen Räumlichkeiten oder aber - ebenfalls ausgerüstet mit einem Audio-Guide - die Stadt Brüssel auf den Spuren dieses Mannes zu spazieren.

Christoph und ich haben mal die erste InnenTour absolviert. Ich hol' die Stadtour auf jeden Fall mal nach.

14 July 2011

chez richard

Chez Richard scheint eine Institution zu sein. Es ist ein Lokal, eine Bar, sowie ich's gern habe... Gleich am Anfang des Place du Grand Sablon plaziert, ist es klein aber nicht zu klein, hat eine terrasse, Tag- und Nachtatmosphäre gleichzeitig, unkompliziert, nicht zu gemütlich, nicht zu grindig, eine gediegene Karte und, das Wichtigste, ein Publikum mit Altersdurchschnitt über 40. Manche davon werden an der Bar  mit Vornamen begrüsst.

Im Winter, in den Monaten mit einem R im Namen genaugenommen, ist vor der Tür auch ein Austernstand. Eine schöne Überraschung war eines Tages den Koch meines Lieblingsbeisls von weit weg in der Stadt genau da anzutreffen. Seitdem weiss ich, dass mein Gefühl mich nicht täuscht.

Blöd ist, dass meine FreundInnen, die direkt oberhalb wohnen, nicht zufrieden sind mit dem Umstand, dass sie bis in den frühen Morgen der lauten Musik ausgesetzt sind - aber sie haben da schon erfolgreich eingegriffen und jetzt scheint es wieder zu passen. Meine Lösung wäre wahrscheinlich gewesen, mein brüsseler shabu aus dem Lokal zu machen, aber ich hab' leicht reden.

Heute trank ich nach langer Zeit wieder einen Espresso an der Theke, bevor ich in die Arbeit ging... Einmal sollte ich mal gegen Mitternacht dort vorbeischauen, sagt mir mein Gefühl.

Nachtrag am 18. Juli: Heute früh kam und setzte sich auch ein gewisser Johannes Voggenhuber hin. Er hatte aber einen Trolley mit. So schaut's aus.

30 June 2011

les ateliers des tanneurs

An diesem heutigen Tag wurde Finance Watch gegründet. Und diese Gründung fand zum Glück nicht schon wieder im Parlament oder in einer ähnlichen location statt, sondern in den von mir sehr beliebten, immer wieder von aussen bewunderten Ateliers des Tanneurs.

Im Moment als Veranstaltungssaal benutzt, war dieses Gebäude mal eine Weinlagerhalle. Es befindet sich bei mir auf dem Weg zum Jeu de Balle. Die schöne Fassade am Bild verrät diese ehemalige Funktion des Gebäudes mit den Schildern von den berühmtesten Regionen in der Gegend, von denen die Namen immer für einen guten Tropfen stehen, wie z.B. Reims.

Champagne hat es zur Feier des Tages nicht gegeben, dennoch verspricht sich der Tag, ein historischer zu werden. Hoffentlich werden wir es gemeinsam sehen und erleben.

29 May 2011

place fernand cocq

An diesem Platz kommt man - so auch ich - sehr schnell vorbei. Es gefällt einem auch sehr schnell, und schnell geht man wieder weiter seinen Weg, entweder Richtung Flagey (so wie in meinem Fall meistens) oder aber St. Boniface.



Hin und wieder, wenn einem der Weg zw. Porte de Namur und Flagey zu lang wird, kann man hier auch den Bus nehmen, und damit man nicht stehend auf den Bus wartet, setzt man sich schnell in die sehr einladende Pâtisserie Sucré Salé rein.

An diesem einen Tag war allerdings der Place Fernand Cocq selber ganz prominent - und konnte neben Grand Place, etc. ganz alleine ein Programm im Rahmen des Jazzmarathons bieten. Es war ein heisser Frühlingsnachmittag mit guter Musik und viel Bier. Ein perfekter Abschluss für ein musikalisch perfektes Wochenende.

Im selbstgemachten Super8-Video ist Robin zu hören. Und der Bezirksamt von Ixelles zu sehen...

micro marché


Im Rahmen des Brüsseler JazzMarathons, da ist auch Movses mit seiner Truppe aufgetreten - anbei ein Ausschnitt aus ihrer Musik - (zwar als Trittbrettfahrer, da zu der Zeit des DatumFestlegens sie von dem Rahmenprogramm nicht wussten, aber dennoch...), und da hatten sie sich als Location Micro Marché ausgesucht gehabt. Da war ich schon einmal für ein erstes Treffen mit einem Kampagnenpartner im November und es wirkte ungezwungen, was mich freute, und fast alternativ, wenn auch die Küche nicht gerade reich.

In einem Innenhof und mit einem Konzertsaal, versteckt ganz hinten am Place St. Catherine - genaugenommen am Quai au Bois à Brûler - ist dieser Ort eine kleine Oase. Wie der Name verspricht, soll er in sich auch einen Markt beherbergen irgendwo - den habe ich allerdings bis jetzt nie persönlich erwischt.

Nicht weit weg liegt auch eine Bar, die ich am selben Abend entdecken durfte, Roskam, wo wir den Abend beendet haben. Als Alternative zu Monk, sehr akzeptabel. Monk kennen wir alle, oder?

27 May 2011

bruxelles jazz marathone

Bekanntlich bin ich Freitags für nicht viel zu haben, am wenigsten für lange Strecken, aber beim anbrechenden Sommer und bei der Wohnlage, da kommt einer ja alles vor die Haustür. So auch ein Marathon, nämlich der Brüsseler JazzMarathon.
Für den ersten Abend habe ich mir vom reichen Programm jegliches im Gehbereich bei mir, Nähe St. Gery, ausgesucht gehabt.  Nach einigem Ein- und Ausgehen auf dem Weg - es stellte sich auch heraus, dass das mit der Zeit nicht so genau genommen wird - landete ich gegen 10h beim Radio Muzak En Face.

Eine Ambiente, so wie ich sie mir nicht schöner hätte wünschen können. Eine belebte mittelgrosse Bar mit einem vierköpfigen belgischen (flämischen) Band, der an einem Eck die Leute mit den Rythmen der 50er und 60er (wo wahrscheinlich gerade mal ihre Eltern geboren wurden) zum Swingen bringt.

Dass eine alleine an der Bar sitzende Frau dann nicht durchgehend seine Ruhe hat, gehört dazu. Dass sie es dennoch schafft, alleine nach Hause zu gehen, das ist auch ein bisschen Sixties. Oder?

05 May 2011

parvis de st. gilles

Es ist eins der schönsten Plätze von ganz Bruxelles. Das kann man einmal schnell sagen über Parvis de St. Gilles.

Zum ersten Mal kam ich auf diesen Platz wieder mal über meine erfahrene Freundin Suna (und ihren Gatten Klaus) an einem schon fast dunklen Herbstnachmittag, wie wir uns bei Maison du Peuple trafen. Damals dachten wir uns, Patrick und ich, ein wunderschöner Platz, wir müssen den ganzen Frühling dann hier verbringen.

Es kam dann doch nicht so, sondern ich brauchte wieder mal einen Arbeitstermin - bei 11.11.11, um wieder herzufinden. An einem frühen Frühlingsmorgen - wo der Markt beim Aufbau war - überhaupt meine Lieblingszeit von einem Markt. Ein guter starker Kaffee beim Marokkaner und ein jeder Arbeitstag kann kommen...

18 April 2011

place jourdan

Am Place Schuman und in seiner Nähe halte ich mich generell nicht gern auf. Nicht in meiner Freizeit. Noch weniger abends unter der Woche. Aber die Sofia, meine Freundin, ist einmal im Monat Eurokratin und diesmal zu müde um ihr quartier zu verlassen.

Vom Schuman den Rue Froissart runter kommt man dann am Place Jourdan an und sonntags ist dort ein marché, der ist dann wieder mehr als ok. Ansonsten ist dieser Platz für seine Frittenbude, wenn ich das mal so sagen darf, Maison Antoine berühmt. Wie schon mal erwähnt, gibt es dort wirklich wirklich nicht die besten frites, und die Schlange vor der Bude ist zum Teil wegen der eigensinnigen "Einschenk"methode des Hauses erklärt.

Doch auch wir standen da und nachdem auch unser Lokal mitgebrachte frites am Tisch erlaubte, war die Versuchung dann doch zu gross. Nach einer halben Stunde Wartens bei mildem Wetter und kühlem Bier und an der Grenze zum Verhungern schmeckten die Teile dann sogar ein bisschen nach was. Vielleicht... sowie es bei Tante Jolesch das Kochen in nicht genügenden Portionen es ist, vielleicht ist es das Geheimnis des "himmlischen" Geschmacks bei Maison Antoine.

08 April 2011

place de londres

Gestern auf dem Weg zu einem Treffen bei PES, an diesem sonnigen Nachmittag - beim ING-Park, wie wir ihn unter uns im Büro nennen, dann an vergel vorbei, wo ich jeweils schon einmal im Rahmen meinen lunch-Experimenten vorbeischaute (und relativ zufrieden war), entdeckte ich den ultimate place zum Mittagessen, aber auch für afterwork: Place de Londres. Na ja, glaubte ich zumindest, gefunden zu haben.

Heute, ungeduldig hingetrabt, fand ich zwar den Platz weiterhin wunderschön - mit vielen vielen - ganz wichtig - geschmacksvollen Tischen und Stühlen, etc. Dennoch kam ich darauf, dass die Inhaber dieser Terassenmöbeln, also die Restaurants, irgendwie nicht so das tollste Essen anbieten, oder die grösste Auswahl. Wo ich mich hinsass, zB, bei les filles de la place hatte es ganz genau drei thailändische Gerichte zur Auswahl gegeben, alle zum selben überteuerten Preis und beim nicht gerade zügigen Service. Dazu kommt, dass sich da eine Schule befindet und der halbe Platz mit pubertierenden Menschen gefüllt ist, die an ihren sandwiches mampfen und gerade an so einem Frühlingstag nicht ganz ruhig herumstehen. Irgendwann läutete dann die Schulglocke unüberhörbar, und auch für mich war es da Zeit zurück ins Büro zu gehen. Ich werde dem Platz eine zweite Chance zu frühen Abendstunden an einem anderen Tag geben. Vielleicht bin ich da selber auch ein bisschen besser drauf.

06 April 2011

au soleil

Zum ersten Mal war ich da nach unserem Wohnungssuchmarathon Ende Oktober, nachdem Patrick sich am Ende in den Zug gesetzt hatte und mir noch ein bisschen Zeit überblieb... Alleine. Es war noch relativ früh und ich trank da in dieser Bar mit dem Morgenpublikum einen Kaffee, las Zeitungen und schrieb SMS über die gefundene Wohnung. Die Katze, die im Fenster auf den Decken lag, und sich unbeschwert streicheln liess, machte den Platz für mich natürlich einzigartig.

Heute nach der Arbeit, bei immer länger hell bleibenden Tagen, noch in der Abendsonne war au soleil in einem ganz anderen Licht vor mir. Mit den Tischen und Stühlen, die auf dem winzigen Platz in die der anderen Lokale übergehen, mit einem Haufen Menschen... Also beschloss ich mich der Atmosphäre hinzuzufügen, um mich vor dem harten Tag zu erholen, aber auch um mich geistig auf den Besuch am Abend vorzubereiten. Ich nahm ein Ciney (bière spéciale), rauchte den Rest meines Gauloises-Packerls aus und las endlich den Brigitte Fontaine-Artikel in der Libération aus. Die Katze, die diesmal eher spazierte statt zu liegen, wurde mir von einem mutmasslichen Stammgast als le chat du quartier vorgestellt. Enchentée!

02 April 2011

place st. géry

Es war ein tolles Frühlingswetter und so begab ich mich nach einer Regenerationsphase von der doch sehr dichten Woche, Samstag Mittag, mit meiner Zeitung und meinen Zigaretten und viel Vorfreude auf einen Kaffee Richtung Pl. St. Catherine - wie jeden Samstag - und doch kam ich nicht soweit. Denn vor Place St. Catherine, da kommt Place St. Géry, und bei diesem Wetter, mit den Tischen und Stühlen auf den Gehsteigen und mit der direkten Sonne drauf, war es mir wert, ein bisschen länger wie üblich auf einen Tisch zu warten.

Le Roi des Belges - im Bild links mit dem selbsternannten "sophisticated serveur" - ist bei Regenwetter auch drinnen ganz angenehm - obwohl mit einer Spur zu lauter Musik...

Nach dem Cappucino wurde es dann ein herrliches Duvel, und nach doch noch ein paar gebackenen Schrimps und einem Gläschen Weissen auf Pl. St. Catherine, war es dann Zeit für ein längeres Nachmittagsschläfchen. Doch machte uns ein kleiner Umweg über den Vlaamsesteenweg - wieder vorbei am Laboureur - neue Horizonte des eigenen Viertels auf, wie z.B. die Entdeckung der Foxhole-Filiale einen Steinwurf entfernt von mir (aber auch OXFAM vintage ist eine Adresse, die man sich merken kann), und ganz nebenbei kam ich endlich auch in die Ehre der näheren Besichtigung vom Zinneke Pis.

28 March 2011

éternel chantier

Das war vor zwei Jahren so, und heute ist es nicht anders: eine ewige Baustelle, der Platz Schuman. Sperren, Umleitungen... Noch und nöcher und es scheint kein baldiges Ende in Sicht.
Ich kenne die Geschichte von dieser Gegend nicht, aber beim Anblick von ein paar Überbleibseln an alten Fassaden wird klar, die bruxellisation ist hier noch nicht vollendet.

Ganz im Gegenteil von der Gegend um das Parlament herum. Eine Umrundung des Parlaments bei der Gelegenheit kann einen ganz schön überwältigen, welch architektonische aber nicht immer ästhetisch ansprechende Gegensätze und Kombinationen miteinander existieren können. Wieso können es dann die Wallonen und Flamen so wenig?

23 March 2011

marché du place du chatelain

Nach einer langen Sitzung, vor allem bei so einem schönen Wetter - da gönnt man sich dann eine Mittagspause in der Sonne und die darf auch ein bisschen länger dauern, als die knappe halbe, drei Viertel Stunde, die man sich sonst nimmt. So dachte ich mir, und nachdem es diesen einen Markt am Place du Chatelain, den ich immer schon besuchen wollte, nur Mittwochs nachmittags gibt, habe ich mich in den Bus gesetzt und habe mich ins Innere von Ixelles begeben.

Es ist eine Oase mitten in der Stadt, und die Pause war eine Oase mitten in meinem Tag. Ein herkömmlicher Markt, der auch durch seine Stände mit sofort verzehrbaren Lebensmitteln lockt: vom marokkanischem Couscous zu fusion streetfood, wie wir sie letztendlich zu uns genommen haben. Die Entscheidung war schwer, dennoch ganz einfach: man setzt sich an den ersten freien Platz hin. Und fertig!

Nachtrag am 24. August: Stellt sich heraus, dieser Markt ist   d e r   mittwöchliche Apero-Treffpunkt. Also habe ich mich gar nicht zu Mittag hin beeilen müssen, denn losgelegt wird so ab dem frühen Abend, so ab 18:30, wo es den Markt immer noch gibt und dazu Stände, wo Wein ausgeschenkt wird und Häppchen von chorizo als amuse bouche verkauft... Auch nach dem Markt bleiben diese Stände bestehen, und die Menschen auf der Strasse. Wortwörtlich. Terassen und Gehsteige reichen nicht aus, Autos werden beraten, die Gegend zu umfahren, es ist ein Fest!

08 March 2011

8th of March


Nicht nur, aber auch das Europäische Parlament feiert heute den Frauentag, zumal er heuer den 100. Geburtstag hat. Und gerade in diesem Zusammenhang fällt die Zwanghaftigkeit dieser Feierlichkeiten auf - nirgendswo sonst sind Männer so gut vertreten wie in bürokratischen hieararchischen Organisationen, sowie die europäischen Institutionen welche sind. Nach oben wird die Luft für Frauen immer dünner, und dort wo sie vielleicht nicht mehr anonyme Kräfte wären, sondern sichtbare ja machtvolle, bestimmende, führende Figuren, da verschwinden sie aus der Bildfläche.

Hier im Bild sieht man einen der mehreren Eingänge von dem Parlament, benannt nach Altiero Spinelli, einem Mann. Der prominenteste Platz für die europäische Politik, Place Schuman, ebenso...

Bleibt es dabei? Natürlich nicht... Dazu kommen weitere Ein- und Ausgänge, Strassen, Parks, Museen, und sonstiges - selten benannt nach einer Frau, und wenn, dann ist das ein Gnadensakt, und nicht weil diese Frau so mächtig gewesen ist... Oder so führend... Oder so entscheidend... Und das nicht in Frauenangelegenheiten... Ausnahmen bestätigen die Regel nur, das wissen wir.

Ich glaube, wir brauchen noch einmal ein 100 Jahr bis die Regel anders ausschaut.

07 March 2011

spéculoos


Die beste Freundin von biscuits oder Süßigkeiten bin ich nicht, oder sagen wir so, ich geniesse sie in Maßen. Mir haben sie allerdings immer schon besser geschmeckt, die Spekulatien, wie Lebkuchen. Sind auch viel bekömmlicher. Und hier in Brüssel bekommt man sie fast immer zum Kaffee dazu. Dann gibt es auch Schokolade damit. Auch heiße Schokolade.

Eine große Auswahl findet man im schmucken Geschäft auf der schmucken Rue de Rollebeek auf dem Weg zum wahrscheinlich schönsten Platz Brüssels, Place du Grande Sablon: Biscuiterie Dandoy. Sie ist längst vorbei aber vor allem zu Weihnachtszeit geht es drinnen sehr stimmig zu, und wenn sie nicht so zerbrechlich wären, hätte ich sie mit nach Hause genommen, als Geschenk. Das ist nämlich genau wie man sich den Geschmack des Weihnachtens bei uns vorstellt.

Zum Abschied des Winters habe ich mir jetzt neulich eine Packung einfacherer Sorte gekauft, und werde sie täglich zu meinem Nachmittagskaffee genießen.

Und dann kommt Frühling.

06 March 2011

Café Belga

Café Belga gehört zu einer der ersten Entdeckungen in Brüssel, die ich im November des Jahres 2008 dank Suna und Klaus machte.

Es bildet Teil des ganzen flagey-Komplexes - dazu später - und zieht auch aufgrund seiner Grösse ein breites Publikum an (obwohl hauptsächlich bobos), vor allem sonntags. Jeden zweiten Sonntag bietet es live music vor Ort an und an schönen Tagen, obwohl das Lokal aufgrund seinen Vitrinenfassaden sonnendurchflutet ist, ist auch auf der Terasse am Place Flagey kein einziger Sessel mehr frei. So auch heute.

Es gibt hier zwei Getränke, die hauptsächlich konsumiert werden: thé à la menthe und Vedett extra blanche gezapft, mit Zitronenscheiben drinnen. I go mostly for the latter. Obwohl ich hier mal aufgrund einer anonymen Empfehlung an der Bar auch Maredsous probiert habe, und es immer wieder auch sehr gerne trinke.

Nicht zuletzt kann man sich hier auch mit einer umfangrachen Palette an flyers versorgen, und sich den kürzeren oder längeren Besuch in der Stadt je nach Geschmack zusammenflicken.

05 March 2011

cantillon

Ursprünglich hatte ich für heute endlich den Besuch der brüsseler Brauerei Cantillon geplant gehabt, der gar nicht weit von mir entfernt liegt - bissl ausserhalb vom Stadtinneren... Zumal sie heute auch Tag der offenen Tür hatten, mit Führung im Halbstundentakt, ab 7 Uhr (und mit Kaffee und Croissant bis halb 9). Es ist sich aufgrund des Besuchs nicht ausgegangen, rechtzeitig die Wohnung zu verlassen. Dennoch muss es für heute irgendwie vorgesehen worden sein, mein erstes ernsthaftes lambic von diesem Haus beim Maroller chez Marcel am Place Jeu de Balle zu mir zu nehmen, obwohl ich den Besuch dieses Platzes  bislang eher sonntags bevorzugte. Ich muss sagen, keine leichte Kost, der Tropfen!

Lambic wird aus Weizen, Gerste und Hopfen gleichzeitig hergestellt, erinnerte mich an Geschmack dennoch sehr an cidre. Es ist still, also gibt keinen Schaum her, und absolut zuckerlos, dass, wenn ich richtig verstehe, mit der fermentation spontanée etwas zu tun haben soll. Es wird auch als "Wein aus Korn" vorgestellt. Bzw. manchmal auch "Champagner vom Bier". Gueuze ist dann die eine Spur weiterverarbeitete Art davon. Wir kennen eher die mit Frucht versehene Geschmacksrichtung von lambic, nämlich den Kriek.