06 October 2011

avec papiers

Eine gute Integration läuft über die Ämter. Nein, ich meine nicht die ganzen fehlbesetzten Staatssekretariate dafür, ich meine schlicht die Behördenwege, die mit Geduld und in Demut zurückgelegt werden müssen, bevor man in einem Land richtig ankommt.

Ich lege das natürlich der Einheimischen des Landes auch sehr ans Herz. So ist es nicht.

In Brüssel, merke ich, ist der Weg zu einem Aufenthaltstitel ein bisschen bodenständiger und weniger kompliziert organisiert. (Ich vergleiche mit Wien, wie üblich.) Man begibt sich dafür übrigens nicht in ein nur für ausländische MitbürgerInnen vorgesehenes Gebäude, sondern dorthin wo Einheimische ebenfalls sind, um ihre Reisepässe renovieren zu lassen oder Führerscheine auszustellen. Das Ganze ist also wie eine Mischung aus Magistrat und die MAs, und der Weg zu einem Meldezettel läuft auch erst über den Aufenthaltstitel... Die Trennung ist eher zwischen Commune und Region hierzulande - in meinem Fall heisst beides Bruxelles.

02 October 2011

atomium

Es ist angeblich das Wahrzeichen Brüssels - angeblich, denn wenn man es nicht sucht und nicht mit Zeit und Mühe aufsucht, kann man das Zeichen auch schnell übersehen. Es sei allerdings erwähnt, dass Zeit und Mühe hier sehr relativ wären. In 20 Minuten zurückgelegte 12 U-Bahn-Stationen und  5 Minuten zu Fuss von der Innenstadt entfernt hat man den "EiffelTurm" von Brüssel vor sich. Zugegeben, die Ähnlichkeit beschränkt sich auf die Art und Weise der nächtlichen Beleuchtung. Allerdings, auch Atomium wurde im Rahmen einer Weltausstellung gebaut - allerdings ca. 70 Jahre später als La Tour,  im Jahre '58. Und nicht temporär, sondern gekommen um zu bleiben.

Ich meide touristische Hotspots mal eine Weile, wenn ich weiss, ich werde in einer Stadt eine längere Zeit als eine Woche verbringen (so war ich noch nicht im Louvre, aber auch lange weder in Stephansdom noch in Schönbrunn).

Diesen Sonntag war es dann aber soweit. Unsere AK feierte sein 20jähriges Bestehen in Brüssel und zu diesem Anlass sollte der gastronomische Teil der Feierlichkeiten nirgendswo geringer als in einer dieser berühmten Kugeln stattfinden. Es war sehr schön. Es hat mich sehr gefreut.

01 October 2011

nuit blanche

Es ist nicht zu unterschätzen: ich bin extra deswegen schon am Samstag Nachmittag aus Wien eingereist (und nicht wie normalerweise üblich erst am Montag Morgen).

Ich hatte von nuit blanche schon vorher gehört, aber im Pariser Zusammenhang, und siehe da, sowie vieles Andere sonst, gibt es auch davon eine brüsseler Variante. Einen brüsseler Ableger. (Und die lange Nacht der Museen in Wien ist eine andere aber eben ein bisschen eine "deutschere" Variante von dem Ganzen, zumal es eine "falsche" Nacht ist - bis 1 Uhr früh oder so. Hallo!)

Ich war dann - am Abend in Brüssel ankommend - sehr müde, so sehr, dass ich ohne Shoghers Anruf schwer zu bewegen gewesen wäre, aber es hat sich ausgezahlt.

Die Veranstaltungen waren nicht überall in der Stadt, sowie ich es mir dachte, sondern nur in meiner Nähe! : ) Also Börse, Pl. St. Catherine, etc. aber dafür wirklich in and out, überall! Das Photo oben ist aufgenommen von einer Einlage in der Vitrine von einem Geschäft, an dem ich immer vorbeigehe. Ansonsten waren Installationen fast überall, die schönste im Hof von De Markten. Und, ein Zugang zur Terasse von Beursschouwburg war der Bonus. Der Ausblick war stunning!

18 September 2011

froidchapelle

Ja, so heisst die Ortschaft, wo ich mein Wochenende verbracht habe. Mit Betonung auf "ver".

In Brüssel war gerade nichts los, also nur Journées du Patrimoine das ganze Wochenende, Saint-Jazz-ten-Noode Freitag Abend und Samstag den ganzen Tag, und der strikt autofreie Sonntag. Alles uninteressant, ich wollte unbedingt die eineinhalbstündige Autofahrt auf mich nehmen, um in einer Hütte mit 15 knapp 30jährigen die Nacht eingesperrt zu verbringen (wo nichts unvorhersehbar war, und über Nacht sich keine Überraschungen ergaben, zumindest keine, wo ich dabei war, aber auch sonst nichts, tote Hose diese Generation), um am nächsten Tag nach einer Überlänge an Frühstück mit nutella aber ohne eine einzige exotische Ingredienz mich um 3 Uhr auf den Weg Richtung Stadt zu machen um nach 4,5 Std. tatsächlich dort anzukommen. Auf einen Weg, der mich ins Dorfzentrale führte, um dort herauszufinden, es fahren sonntags keine Büsse zum nächsten Bahnhof, also autostoppen! Bei einem Sonntagsausflugspärchen aus Chimay (ja, wo das gute Bier herkommt, und gut, dass es herkommt und nicht dass wir jedes Mal hinfahren müssen) durfte ich bis nach Gare de Mariembourg mitfahren, dort in der tristesten Sonntagsnachmittagsatmposphere ein einhalb Stunden auf meinen Zug nach Charleroi Sud warten. Und so weiter und so fort.

Alles urban Wohlige hinter mir gelassen, und mir die deutlichsten und lautesten Schafe angehört, die Kühe mit modischen Mustern angeschaut... Und überlebt. Nächstes Mal überlege ich es mir zwei Mal, wenn ich Einladungen zu Geburtstagsfesten annehme, vor allem zu selbstgebastelten. Nein, ich bin definitiv zu alt dafür. Um ehrlich zu sein, ich war nie so jung in meinem Leben. Danke, ohne mich!

16 September 2011

newsletters

Heute ist Freitag... Und die Newsletter, die Weekly-RoundUps, die Newsflash landen eins nach dem Anderen in meiner Mailbox. Für manche davon verfasse ich sogar selber Beiträge.

Es ist eine Wahrheit: man existiert nicht in Brüssel, wenn man nicht wöchentlich berichtet, was man in der Woche alles geschafft hat, was sich denn alles so geändert hat in der Welt, und in welcher Form man dazu beigetragen hat.  

Man darf ihre Funktion nicht unterschätzen - Hauptsache ist, eine ruhige Minute für die Lektüre zu finden.

12 September 2011

eu-leaks

Das gehört zum Ritual. Es gibt kein Dokument, auf das man nicht heiss wartet, das dann vor seiner Zeit und durch eine informelle Quelle publik gemacht wird - also nicht wirklich publik, sondern unter der Hand verbreitet. Wie gesagt, ich glaube, das gehört inzwischen zu den Usancen hier in den EU-Kreisen, ça fait parti de bureaucratie même, non?

So fange ich meine Woche mit der Lektüre eines Briefs, unterzeichnet (ja vielleicht sogar verfasst) vonseiten zweier Finanzminister, gar der wichtigsten in der EU, Schäuble und Baroin (ja, so heisst der Nachfolger von Madame Lagarde) gerichtet an die Europäische Kommission über die Einführung einer europäischen Finanztransaktionssteuer. Kaum hatte sich die Nachricht über Reuters verbreitet, dass es diesen Brief gibt, dauerte es keine Stunde, dass der Brief in meiner Mailbox gelandet ist, sehe ich - am Freitag Abend (der Grund, wieso ich ihn erst jetzt lese). Da beziehen sich die beiden auf den legislative proposal von der Kommission, das in the pipeline steckt und zeigen den Weg, präsentieren ihre Vorstellung der Dinge. Und ich muss Ihnen gar nicht sagen, dass wir von dem (ok, einer Vorversion dessen) auch schon einen Vorabdruck in der Hand haben, oder?

10 September 2011

walvis

...und diese Freske ist der Mehrwert auf dem Weg zu walvis.
Von Belga hatte ich schon berichtet, es ist der Klassiker. Aber es ist nicht einzigartig, denn ähnlich wie Belga gibt es einige Bars, Lokale, verstreut in ganz Bruxelles, die zum grössten Teil zum selben Typen gehören. Ja, jede Stadt hat so einen Gastronomen (in Paris der Typ von Le Petit Fer à Cheval, dem gleichzeitig u.a. La Belle Hortense gegenüber auf Rue Vieille du Temple, aber auch Les Philosophes weiter oben auf der Strasse gehören - detto in Wien die berühmte Schleifmühlgasse gehört zur Hälfte dem einen Typen).

Dazu zählen Maison du Peuple am schönsten Platz von Brüssel, aber auch walvis am Kanal am Ende der beiden schönen Strassen Rue des Flandres und Antoine Dansaert. Es ist ca. der selbe Stil vom Interieur her: lässig, aber nicht zu leicht, bobo aber auch eine Spur old-school.

Da ich meinen samstäglichen Ausflug normalerweise am Place St. Catherine am Nordzee beende, kostete es mir heute extra Mühe und Entschlossenheit, dahin zu gehen, aber es lohnte sich. Mit der Sonne auf der belebten Terasse, eingefangen von einer Bekanntin und ihrem Bekannten, führte ein Bier zum Anderen (meistens Vedett Extra Blanche mit einer Scheibe Zitrone), ein Gesprächsstoff zum Nächsten.

Und wir sind bei weitem nicht durch mit der "Kette". Bleiben Sie gespannt!

07 September 2011

abbreviations

I am writing a SG report on FTT and on further projects we have as EFFR. This should be a report a little less elaborate than the one we have written for AGA, btw overlapping with the AGM of Finance Watch in June, but still... There has been some remarkable developments over the second half of August both in the EU and on the part of IMF. At least FAT is getting less and less credit - to achieve that had become part of the mission on the way. Further we have now MiFID to deal with, not to name the CRD IV and CRAs. We have some MEPs on our side, but real intelligence is to find in the DGs, to lobby the right, to place the amendments on the right time in the right place.

Strengthened through new members like eg4health and ACV-CSC next to AK, ÖGB, DGB, ETUC, EPSU, FEPS, PES, FGTB-ABVV, CNCD, etc we will launch into the new trimester with full energy. For now, I am just missing one bit: where GMB comes from, and what it stands for. The rest will flow...

ps: To all this pleasure please add the game of "verlan" our friends from La France enjoy playing: Guess what UE, FMI, ONU and OTAN stand for! Yes, and TTF. If having a hard time, just read them the other way around!

01 September 2011

sel de céleri

Ja, was soll denn das, könnte man meinen. Wenn man zum ersten Mal davon hört, oder es zum ersten Mal sieht. Weniger, wenn man's zum ersten Mal schmeckt - denn der Geschmack ist kein unbekannter - den von Sellerie eben. Und von Salz. Man muss den subtilen Geschmack von diesem nicht ganz subtilen Gemüse eben mögen klarerweise, aber wenn man mal daran gewöhnt ist - z.B. die Käsestücke von Belga (die man zum köstlich erfrischenden Weissbier dazubestellen muss) in dieses Salzgemisch hineinzutunken, dann wird man sogar fast süchtig.

Ok, ich übertreibe ein bisschen... Auf jeden Fall habe ich diese Mischung (sowie den Kräutersalz eher im deutschprachigen Raum) hier in Brüssel kennen- und liebengelernt. Kann man warscheinlich auch in die Suppen und diverse Gerichte geben, wenn man mal keine frischen Selleriewurzeln finden soll.

28 August 2011

marché clémenceau

Gare du Midi ist eine Welt für sich und eine der grössten Märkte, die ich kenne. Dass es einen Markt um ein Vielfaches grösser als diese geben könnte, hätte ich mir nicht gedacht, ist aber der Fall...

Zum ersten Mal machten mich Movses und Schogher, immer gut für Tipps für das Gute und Günstige zu haben, irgendwann im Mai auf diesen Markt aufmerksam aber bei mir dauert es lange, die Routine zu brechen, und tatsächlich einen Sonntag  für eine Neuentdeckung zu "opfern".

Heute war es dann so weit... Eine Station weiter von Gare du Midi, aber wir legten die ganze Strecke durch die hinteren Gassen von Midi und irgendwann Anderlecht zu Fuss zurück, öffnete sich durch diesen Markt nochmals eine ganz neue Welt vor uns. Ehemaliger (und zum Teil auch aktueller) Schlachthof - deshalb auch Abattoirs d'Anderlecht genannt - ist auch architektonisch sehr beeindruckend. Die Preise viel günstiger, gibt es hier noch sehr viel zu entdecken, aber mir fehlte mein gewöhnlicher sonntäglicher Markt dennoch sehr.

Nachtrag:
If you’re in Brussels during the week-end, take the subway to Gare de l’Ouest and try the Slaughterhouse’s Market in Anderlecht. Don’t be freaked out by the name, the actual slaughterhouse has moved long ago. Now it’s just a huge and colorful market. - steht es in einem meiner LieblingsBlogs the passionate cook.

27 August 2011

cinematek

Bis jetzt war ich in Bruxelles zwar nicht so oft im Kino - wirklich ca. einmal monatlich - dennoch in diversen Kinosälen, wie in von einer Sperre bedrohtem Arenberg (u.a. Biutiful, oder aber auch Mardi après Noël mit Francis), in zu zentral und umso überraschend kleinem Actor's Studio auf Rue des Bouchers (Pourquoi tu pleures? mit Julie), in Flagey (Kontakthof mit Suna). Weiters muss ich gestehen, zwei Mal (und zufällig beide Male für Woody Allen, und ich glaube einmal für Brüno, wieder mit Suna und Klaus) in einen Cineplexxx(!?) gegangen zu sein - in den bei mir in der Nähe, UGC De Brouckere.

Wie auch immer, Cinematek, quasi das Filmmuseum von Brüssel, war lange auf meiner Liste und obwohl so nah, hatte ich es lange nicht hingeschafft. Mit einer aussergewöhnlichen programmation kann man in diesem Kino jeden Tag fündig werden und das zu einem Spottpreis von € 3,--! Die Premiere habe ich mir, auf Patricks Empfehlung, mit Brazil gegeben. Un film extraordinaire aus den 80ern, den ich allen empfehlen kann...

25 August 2011

ethiopia

Während es gerade Hungernot herrscht in Äthiopien, ist es vielleicht bisschen absurd die äthiopische Küche hier zu preisen, aber:

Auch dieses Lokal fiel mir schon bei meinem ersten Mal in Brüssel auf und beeindruckte. Es ist weniger die Küche, sondern die Art und Weise in der man isst (gemeinsam und ohne Besteck), in der man das Essen geniesst... Es bat auch für uns (Movses, Schogher, ihren Gast und mich) heute eine tolle Gelegenheit,  uns über unseren jetzt fast vergangenen Sommer in gemütlichster Atmosphäre auszutauschen.

Meine erste Wahrnehmung bezüglich Äthiopien war in London, wie ich damals plötzlich das Auto stoppen liess, da ich dachte, an den Aussenwänden dieses einen Lokals armenische Buchstaben gesehen zu haben - um kurz drauf zu merken, nein, ich kann sie doch nicht entschlüsseln. Die waren äthiopisch. Die Ähnlichkeit ist allerdings so auffällig, dass es eine Verbindung in der geschichtlichen Entwicklung des beiden Alphabets geben muss, dachte ich mir, und behielt Recht: Mesrob Maschtots, der die armenische Schrift Anfang des 5. Jahrhunderts entwickelte, wollte weder von den Griechen noch von den Persern was abschauen und suchte stattdessen bei einer Bevölkerung geographisch etwas weiter dennoch religiös auf der selben Schiene (Äthiopier haben Christentum ebenfalls wie die Armenier als eine der ersten "Nationen" als offizielle Religion übernommen gehabt - wir reden von den Anfängen des 4. Jahrhunderts) um Rat und wurde, wie wir heute wissen, fündig. Heute lebt in Äthiopien eine nicht zu unterschätzende Anzahl an  ArmenierInnen (dessen Grund allerdings in der neueren Geschichte liegt und nur mittelbar in den Anfängen der christlichen Zeit) und, obwohl mich Afrika als Kontinent nicht unbedingt reizt, zieht es mich zu diesem einen Land schon sehr.

Mich mit der köstlichen Küche vertraut zu machen, um zu sehen, es handelt sich dabei um keine Herausforderung, ist einmal ein guter erster Schritt, denke ich. Sonst weiss ich über diesen Fleck der Erde relativ wenig.

Hier, in Kokob, kann man nach dem Essen auch die tolle Kaffeezeremonie geniessen.
Ein weiteres äthiopisches Lokal, das sich nur auf Kaffee spezialisiert, befindet sich auf Rue Haute und ist ebenso einladend. Eine Zeremonie soll es hier allerdings nur an bestimmten Wochentagen geben.

24 August 2011

rue du midi

Rue du Midi war mir schon bei meinem ersten Brüssel-Aufenthalt aufgefallen. Egal wo ich hinwollte, im Zentrum der Stadt, landete ich auf dieser Strasse. Ich erkannte sie an der Buchhandlung mit den tollen Bildbändern in der Vitrine (Bibliopolis - von dem es mehrere gibt übrigens) und Zufälle wollten es dass ich direkt oberhalb von einem ähnlichen Buchgeschäft  auf dieser Strasse meine Wohnung fand. 

Rue du Midi fängt bei der Börse an und geht bis zu Place Rouppe, wo sie dann zu Avenue de Stalingrad wird und uns bis Gare du Midi und seiner Umgebung führt. Auf der anderen Seite der Börse wird sie Rue Neuve und zu einer Einkaufsstrasse wie eine Mischung aus Mariahilfer und Kärntner - diese wiederum führt bis zu Rogier, benannt auch Manhattan von Bruxelles mit seinen paar Hochhäusern, u.a. mit dem EGB- und IGB-Gebäude. Also, wenn Sie so wollen, verbindet Rue du Midi im weiteren Sinne New York mit Marokko, ja!

Im engeren Sinne befindet sich hier alles was das Herz begehrt. Zum Essen eine grosse Auswahl (vom in Brüssel gar nicht so präsenten Türken über die nach dem Ausgehen ziemlich beliebteste Frittenbude bei der Börse bis zum Thailänder Le Lotus Bleu - im Bild -, wo ich gerade eine schöne Portion dim sum bezog), zum Anziehen über Vintage bis zu Le Petits Riens aber auch wassalon, fromagerie, Zubehör für gleichgeschlechtliche Liebe, und, und, und...

Ja, eine Seitenstrasse öffnet sich zum Schwulenviertel, eine andere über Manneken Pis zum Grand Place, eine andere wiederum zu Marolles...

My point being: Alle Wege führen nach Süden und der Süden wiederum macht so viele neue Welten auf. Es ist herrlich!

18 August 2011

moules frites

Ursprünglich hat es geheissen, die Muscheln gibt es nur in den Monaten mit "r" drinnen. Wie ich mich allerdings mal im März danach erkundigte, wieso es auf der Karte keine Muscheln mehr gäbe, informierte mich mein Kellner von houtsiplou, die Muscheln gäbe es in den Monaten mit der Endung "-bre".

Nichtsdestotrotz kurz vor meinem Urlaub in die Türkei, juste au debut de mois d'août also, sah ich die Spezialankündigung auf mehreren Tafeln in der Stadt, so auch bei mir um die Ecke.

Da ich ein Tag zuvor meine Freundin und ihre Begleitung nicht überreden konnte - da bei ihnen die Muschelsättigung schon auf höchstem Grade eingetreten war - beschloss ich, mir das Fest am nächsten Tag alleine zu gönnen, und was für eins!!

Im Gegensatz zu anderen Lokalen bietet houtsiplou nur zwei Sorten, eins mit Weisswein und eins mit Knoblauch und crème - ich traf meine Wahl in Richtung Letzterem und lag nicht daneben. Ich kann sagen, die besten Muscheln der Stadt!

Die zweitbesten sind da, wo die erstbesten Frites sind, immer noch ein Geheimtipp von mir, den ich vielleicht doch bald verrate, wenn ich das Lokal wieder besuche, falls ich zu den moules mir auch mal chicon statt frites als Beilage wünsche, und gut sind auch, wenn man sie zu Hause machen kann, sowie die köstlichen von Suna vom letzten Herbst... Sollte ich auch mal wagen?

04 August 2011

carbonade flamande

Auf Deutsch klingt Karbonade nicht gerade appetiterregend, aber wenn die Belgier davon sprechen - und das tun sie nicht selten - meinen sie hauptsächlich  etwas zwischen Gulasch und das Geschnetzelte. Was unbedingt hineingehört, ist allerdings Bier. Und am besten schmeckt es natürlich mit den frites.

Das Exemplar, das ich heute mit Betil, meiner Schulfreundin aus Istanbul, kostete, wurde mir in l'arriere pays serviert - auf der schönen Rue des Minimes, wenn man bei Marcolini und chez Richard am Place du Grand Sablon reingeht. Auf dieser Strasse befindet sich im Übrigen das Jüdische Museum, wo ich während eines meiner früheren Aufenthalte eine Robert Capa-Ausstellung besuchte.

Im wunderschönen Gastgarten auf einem winzigen Platz bei gerade richtigem Wetter - weder kalt noch heiss, haben wir mal einiges an update nachgeholt und uns weiter eine Nachspeise aus dem besagten Laden gegönnt. Und einen expresso gegenüber.

03 August 2011

matongé

Also, die Maghreb-Länder sind ja in meinem Bezirk gut genug vertreten, vor allem Marokko, aber Afrika im echteren Sinne sucht man in Ixelles, sehr intensiv agglomeriert in den ersten Strassen nach der Innenstadtgrenze.

Suna und ich, noch bevor sie "sich unters Kind und Kegel mischte" (muss Frühjahr/Sommer 2009 sein) :), haben uns einmal eine verrückte night-out hier gegeben, wo wir unter anderem mit Automaten-Pistazien hofiert worden sind.

Heute, auf der Suche nach einem interessanteren Mittagessen als sonst, entschloss ich, mich noch vor Place St. Bonifa in den Gassen zu verlaufen und dieses gelang mir sogar wortwörtlich.

In dieser Gegend, ein bisschen wie aus einer anderen Welt, kann man sich nicht nur musikalisch oder kulinarisch in Afrika versetzen lassen, auch modisch bzw. was die Frisur anbelangt, ist man gut versorgt, wenn's mal wirklich bisschen anders sein soll. Ich werde meine Herbstgarderobe mal mit diesen schönen afrikanischen Mustern auffrischen, und wer weiss, vielleicht traue ich mich mal auch in die Hände einer Friseuse...





01 August 2011

st. boniface

Place St. Boniface ist in Ixelles sehr prominent. Am Anfang hauptsächlich, weil das vielempfohlene Lokal - nicht ganz zu Unrecht - da liegt. Auch Café Belgo/Belge ist hier, obwohl - wieder nicht ganz zu Unrecht - weniger empfohlen. Trotzdem kam ich auf diesen Platz, genauso wie nicht auf Mont des Arts - nicht gleich bei meinem ersten Brüssel-Aufenthalt drauf. Sondern viel später, bei der Wohnungssuche im Oktober 2010.
Dann wundert man sich natürlich, wie man so einen Platz mit der den Platz dominierenden gleichnamigen Kirche übersehen haben kann, aber es ist wie es ist, und ich nehme an, es gibt weiteres Prominente, von dem ich noch nicht einmal weiss.

Es ist vor allem nach der Arbeit sehr entspannend. Sowie heute mit Christoph.
Aber immer wieder auch mit einer Freundin oder Kollegin.

31 July 2011

gent

Wir reden hier hauptsächlich von Brüssel, aber Gent ist ja wirklich nicht weit und, sowie heute, wundere ich mich, wieso ich überhaupt nicht jedes Wochenende dort bin. Wir wissen den Grund und schweigen. Gestern bei der Kanaltour (nein, wirklich nicht so touristisch!) erzählte unser charmanter Führer u.a., dass Gent mal nach Paris die zweitgrösste Stadt in ganz Europa war. Ich glaube, das war irgendwann im 16. Jahrhundert. Dennoch...
                                                                        
Ich war schon bei meinem allerersten Besuch in dieser Stadt (November 2008) sehr beeindruckt und heute nicht weniger, obgleich ich die beiden Erfahrungen nicht wirklich vergleichen möchte. Alleine mit einem Rucksack im Herbst ist etwas Anderes als mit dem Ex-Freund (und seinem Rucksack) an einem sommerlichen Sonntag. Aber nicht schlimmer, oder so...

Vielleicht weil das erste Mal so beeindruckend war, wollte ich unbedingt in mein Viertel damals mit dem DesignMuseum und dem gegenüberliegenden Brooderie - mein LieblingsB&B (gleichzeitig eine wahnsinnig gute Konditorei mit einer herrlichen Lage mit der einen Seite auf die belebte kleine (ich glaube sogar, fast wie ganze Innenstadt autofreie) Strasse, mit der anderen Seite aufs Wasser). Neu war für mich das Blumengeschäft nebenbei, das sein hauseigenes Eis (bloemenijs!!) produzierte. Mein zweites LavendelEisErlebnis in fast einer Woche (das erste letztes Wochenenede am Touloner Hafen in Südfrankreich - der entsprechende Link folgt, wenn ich endlich dazukomme, meine französischen Erlebnisse zu rekapitulieren) und dazu suchte ich mir die englische Rose aus. Einfach göttlich!

Was wiederum neu war, war die Kanaltour. Ich hatte sie mir in Brugge gegeben gehabt, aber nicht in Gent. Und so sahen wir Gegende, die wir zu Fuss nicht erkunden könnten, zumindest nicht in einem Tag. Am Wasser gelegene Schätze aller Art.

Was mich aus dem Bann warf, war allerdings das (angeblich intellektuelste - so die Reiseführerin zumindest, der wie schwarz lauschten) Gemälde The Adoration of the Mystic Lamb von den Gebrüdern Van Eyck. Das Gemälde selber ist schon sehr beeindruckend, das ist klar, was noch beeindruckender war, war allerdings, dass mir erst langsam kam, dass ich das Gemälde schon mal gesehen hatte. Und es muss vor zwei einhalb Jahren wieder hier gewesen sein, und aber ich habe mich daran nur ganz langsam erinnern können und bilde mir immer noch ein, dass ich es woanders und vor gar nicht so langer Zeit gesehen haben muss. Kann es by any chance eine Kopie im Kölner Dom geben?

Was ich beim ersten Mal kosten durfte, und diesmal irgendwie wegen verpasster Öffnungszeiten nicht, war der köstliche Gentse Waterzooi beim Het Waterhuis aan de Bierkant und ein jenever beim dazugehörigen 't Dreupelkot. Ohne diese zu schmecken, war man aber eigentlich nie wirklich in Gent.

30 July 2011

jacques brel


Er ist einer der berühmtesten belgischen chansonniers, auch wenn man ihn anderorts als Franzosen kennt. Und er ist nicht einmal Wallone, sondern mit einem Elternteil ein Flame.

Um auf das alles und viel mehr (dass er zum Beispiel aus einem Wettbewerb in Knokke als vorletzter rauskam, oder aber dass er als erste Bühne in Brüssel in Ancienne Belgique auftratt) zu seinem Bezug zu Belgien - und nicht auf weitere Infos zu seinem Leben - aufmerksam zu machen, gibt es in Brüssel, an einem kleinen versteckten Place de la Vieille Halle aux Blés im Herzen der Stadt eine Stiftung zu seinem Namen. Man kann sich aussuchen: entweder mit einem Audio-Guide die engen Räumlichkeiten oder aber - ebenfalls ausgerüstet mit einem Audio-Guide - die Stadt Brüssel auf den Spuren dieses Mannes zu spazieren.

Christoph und ich haben mal die erste InnenTour absolviert. Ich hol' die Stadtour auf jeden Fall mal nach.

der kanal

Neulich habe ich euch Näheres über den Brüsseler Kanal versprochen: Also machten sich Christoph und ich am Samstag nach dem üblichen täglichen Brot weiter nordwestlich auf den Weg, um diesen endlich zu entdecken.
Auf dem ersten Blick ist da nichts, rein gar nichts, das einem gefallen könnte. Es dauert allerdings nicht lang, bis man merkt, dieses Viertel wird es einmal - ganz ganz bald - boomen, in other words die Gentrifizierung ist vor der Haustür. Erstens, weil ihn von einer der schicksten Strassen Brüssels (Antoine Dansaert) wirklich nur mehr 100 Meter trennen, und dabei meine ich von dem schicksten Teil, denn eigentlich führen sowohl diese als auch Vlaamsesteenweg (mit dem Lieblingslokal eines gewissen österreichischen Schriftstellers Laboureur an der einen Ecke aber auch mit sonstigen sehr interessanten Lokalitäten, wie z.B. Le Pré Salé (eine edle Kantine mit guter belgischer Küche) oder auch Roskam (falls man mal bis in der Früh trinken und gute Musik möchte)) direkt zum Kanal.

Man merkt es auch an den wenigen aber doch vorausberechneten Designer-Dachausbauten, wie ein Nest oberhalb Gebäuden, das nicht gerade die gepflegteste Fassade aufweisen.

Nicht zuletzt auch an den Kränen rechts und links am Kanalufer. Ganz zufällig traf ich neulich auf so eine Seite, die dem Kränengeschehen einen Teil Hintergrund liefert.

Ganz nebenbei finden, wie überall in Brüssel, auch hier festivals statt, u.a. auch K-Nal [F]ESTIVAL oder aber der FilmFestival vom Cinéma Nova in der zweiten Augusthälfte. Auch walvis ist ein Grund, zu einer lebendigeren Jahreszeit, wieder mal einen Blick ans Ufer zu wagen.

Kanäle haben einen begrenzten Reiz auf mich - weder der Donaukanal noch Canal St. Martin sind meine Lieblingsspots in den entsprechenden Städten. Nichtsdestotrotz sind sie für genug Film-, bzw. filmreifes Material zu haben.